
Roland V-5 Video Mix/Title
Prozessor
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Die Firma Roland war bisher nur aus der
Musikerszene mit Keyboards und anderen Musik-Effektgeräten bekannt. Roland
scheint nun neue Wege in den Videobereich zu gehen. Neben dem Vertonungsgerät
VS-6 gibt es nun den Videomischer V-5.

Der erste Eindruck vom V-5 ist imposant. Man hat sofort den Eindruck,
kein Spielzeug sondern ein richtig professionelles Gerät vor sich zu haben. Ein
Blick auf die Anschlussrückseite bestätigt den Eindruck. Hier findet man einen
Kaltgerätenetzanschluß, also kein externes Steckernetzteil wie es heutzutage
in der Consumer-Klasse üblich ist. Nun gut, der V-5 kostet immerhin 2.999,- DM
und fällt daher in die Profiklasse.
Ein MIDI-Anschluß habe ich bisher noch bei keinem Videomischer gesehen. Hier
ist deutlich die Herkunft der Firma Roland zu sehen. Ein GPI-Anschluß ist
allemal brauchbar. Ein VGA-Anschluß ist auch ein Novum bei einem Videomischer,
dazu später mehr!
Nach dem Einschalten des Gerätes wird zuerst einmal ein Selbsttest
durchgeführt. Der dauert immerhin fast eine ganze Minute. Erst danach reagiert
der Überblendjethebel.
Bei anderen Videomischern gibt es die Positionen A und B beim
Überblendjethebel. Hier beim V-5 muss man genau auf die Stellungen "MAIN
SOURCE (INPUT 1)" und "SUB SOURCE/PICTURE" achten.
Die Video Effekte lassen sich nur auf die SUB SOURCE-Quelle anwenden. Hier sind
interessante Effekte vorhandne. Bei "Center-Image" handelt es sich um
eine Art Vignettierung. Weiterhin gibt es die Effekte Strobe, Still, Solarize,
Colorize, Mono, Sepia und Nega. Ein besonderer Bonbon ist die TAP-Taste. Hier
werden die Effekte im Musikrhythmus gesteuert.
Die eigentliche Aufgabe eines Videomischers sind indes die Überblendungen
zwischen zwei Videoquellen. Hier kann alternativ von Hand mit dem Jethebel oder
automatisch Übergeblendet werden. Hierzu ist die Taste "AUTO" zu
drücken. Die Überblendgeschwindigkeit lässt sich mit einem Drehregler regeln.
Die wohl gebräuchlichste Überblendung ist die weiche Überblendung oder der
sog. Dissolve. Beim V-5 steht dazu die Taste "MIX" zur Verfügung.
Für spezielle Blenden muss die Taste "WIPE" gedrückt werden. Hierzu
muss dann die Art der Überblendung im Feld "WIPE PATTERN" ausgewählt
werden. Hierzu stehen acht Tasten zur Verfügung. Die Tasten sind doppelt
belegt. Eine Vorwahl gibt es mit der Group-Taste. Man kann zwischen Gruppe A und
B wählen. Während die Gruppe A recht einfache Fensterblenden bietet, sieht es
in der Gruppe B schon interessanter aus. Die Blenden hier sehen recht
interessant aus. Man kann hier sogar von Verlaufsblenden sprechen. Die Tasten
"REVERSE" und "ONE-WAY" erweitern die Möglichkeiten der
Blenden, je nach Blendrichtung und Zuordnung.
Klar, dass der V-5 auch eine Fade-Out hat. Wahlweise kann man nach schwarz oder
weiß ausblenden. Allerdings geht dies nur mit einem in der Geschwindigkeit-
regelbaren Auto-Fade. Ein manueller Fade mit dem Jethebel ist nicht möglich.
Ein besonderes Augenmerk wird beim V-5 auf Titel und Standbilder gelegt. Es
lassen sich insgesamt 24 Standbilder einfrieren. Es gibt hierzu acht
Speichertasten die mit den Gruppen A, B, C dreifach belegt sind. Die
Abspeicherung der Standbilder aus dem laufenden Video ist nicht so einfach. Hier
muss eine gewisse Tastenreihenfolge eingehalten werden. Aber immerhin sind 24
Standbilder doch eine immens große Zahl, an der sich andere Videomischer eine
Scheibe abschneiden können.
Aber selbst wenn die 24 Speicherplätze nicht reichen, gibt es eine
Speicherkarte, auf der Sicherheitskopien der Titel und auch der Programme
gespeichert werden können. Die Speicherkarte bietet immerhin bis zu 20 Mbyte
Speicherplatz.
Wenn man Titel mit einer Videokamera aufnimmt, gibt es besondere Funktionen zur
Freistellung der Buchstaben (Extraction) auf der abgefilmten Vorlage. Für die
weitere Optimierung der Titelvorlage gibt es die Funktionen Level, T-Color
(bestimmt die Farben der Buchstaben und des Hintergrundes), Filter (glättet
Unregelmäßigkeiten in der Buchstaben- und Hintergrundfarbe). Bei der Farbwahl
des Titels lassen sich für Shadow und Border die Farben festlegen. Die
Lieblingsfarben lassen sich auch abspeichern.
Der fertige Titel kann dann ins laufende Video gestanzt werden. Hierzu kann
einmal mit "white luminance" oder mit "black luminance"
gestanzt werden. Allgemein ist die Bedienung zur Einstellung des Stanzlevels
schon etwas kompliziert. Dies ist sicherlich eine Frage, in wie weit mit der
Bedienung des V-5 vertraut ist. Auch die Einstellungen für den Titel lassen
sich abspeichern. Hierzu gehören die In/Out-Einstellungen als auch Art der
Überblendung, Geschwindigkeit und die Key-Werte.
Eine Besonderheit des V-5 ist der VGA-Anschluß. Hier kann ein im PC erstellter
Titel oder eine Animation in den V-5 zur anschließenden Ausgabe auf Video
eingespielt werden. Das Signal wird ausschließlich als SUB SOURCE-Signal
eingespielt. Die PC-Grafikkarte muss dazu wahlweise auf folgende Auflösungen
heruntergeschaltet werden: 640x480 Pixel (60 Hz) oder 640x480 (53 Hz).
Eine interessante Variante der Effektblende ist die Bild-in-Bild-Blende. Roland
nennt diese Blende entsprechend der internationalen Bezeichnung P-in-P-Blende.
In der Grundstellung wird das Bild der einen Videoquelle verkleinert in der
linken oberen Ecke einblendet. In der Wipe-Stellung fliegt das Bild von rechts
unten nach links oben ins Bild.


Diese Einstellung kann aber variabel
geändert werden. Hierzu gibt es viele Einstellparameter wie Horizontal
Position, Vertical Position, Horizontal Size, Vertical Size, Motion (Art der
Bewegung bei der Ein- und Ausblende), Border, B-Color (Randfarbe), Border H-Size
(horizontale Breite des Randes), Border V-Size (vertikale Breite des Randes).
Im V-5 ist ein vollwertiges Audioteil integriert. Neben den Tonquellen von den
beiden Videoquellen lassen sich CD und ein Mikrofon anschließen. Für den
Mikrofon ist ein Vorpegelregler vorhanden. Ein Feature, das man bei anderen
Videomischern oft vermisst, ist der Kopfhörerausgang. Dieser ist beim V-5
vorhanden.
Ein besonderer Bonbon ist die Steuerung über ein MIDI-Signal. Ein MIDI-Signal
wird zumeist in der Musiker-Szene benutzt. Im MIDI-Signal ist ein MTC (MIDI Time
Code) enthalten. Damit hat man eine optimale Möglichkeit zur Synchronisierung
zwischen einem Musikcomputer und dem V-5. Ähnlich wie mit der TAP-Funktion kann
über den MTC das Tempo bestimmter Effekte gesteuert werden. Weiterhin können
per MIDI-Notenbefehle Tasten am V-5 ferngesteuert. Diese Möglichkeiten gehen
weit hinaus über Möglichkeiten, die ein GPI-Eingang bietet. Ein GPI-Eingang
ist als Ergänzung am V-5 auch vorhanden.
Zur Steuerung des V-5 über MIDI muss man schon tief in die Materie einsteigen.
Im Anhang bei der deutschsprachigen Bedienungsanleitung findet man eine
Auflistung aller Befehle fÜr den MIDI-Einsatz.
Der GPI-Eingang ist als 3,5 mm Mono-Klinkenbuchse ausgelegt. Der GPI-Eingang
lässt sich nur für den programmierten Programmablauf von einer
Video-Schnittsteuerung aufrufen. Hier sollte dann vorher ein Ablauf der
Titel-Sequenzen oder gespeicherten Videobild festgelegt werden. Der Ablauf
lässt sich fest einspeichern.
Fazit:
Die Möglichkeiten des V-5 sind recht umfangreich. Hier kommen Videomischer aus
dem Consumer-Markt nicht mit. Man hat sich bei Roland viele Gedanken gemacht,
was heutzutage bei einem Videomischer möglich ist und zugleich diese Features
implantiert. Die Bedienung ist nicht ganz so einfach. Einfach so ransetzen und
ab die Post funktioniert beim V-5 nicht. Von einem professionellen Anwender kann
jedoch erwartet werden, dass er sich mit einem Gerät auseinandersetzt. Die
Bedienungsanleitung gibt hier optimale Hilfestellung und ist fehlerfrei.
Michael Kemnitz
Onlineshop
von Roland